Die Klimo-Bibliothek in der Pécser Universitätsbibliothek

Die Klimo-Bibliothek in der Pécser Universitätsbibliothek - Foto: György MánfaiDer Rechtsvorgänger der Pécser Universitätbibliothek, der von György Klimo (1710-1777) im Jahre 1774 gegründet wurde, war die erste öffentliche Bibliothek in Ungarn.

Im Jahre 1751 wurde György Klimo von Maria Theresia zum Bischof berufen, der viele neue Parochien gründete und Kirchen bauen liess. Er hatte vor, eine Universität zu gründen. Als Beispiel diente ihm die erste Universität in Ungarn, die im Jahre 1367 von dem ungarischen König, Ludwig dem Grossen errichtet wurde. Für die neue Universität liess Klimo eine Papiermühle und eine Druckerei errichten und gebildete Geistliche, die auch als Professoren geeignet gewesen wären, in den Kirchensprengel berufen. Von diesen sind besonders Stephan Szalagyi und Joseph Koller hervorzuheben, die als Bibliothekare für die Erweiterung, Ordnung und Katalogisierung der Sammlung verantwortlich waren. Nach jahrelangen Forschungsarbeiten verfassten sie ausserdem mit der Unterstützung von Bischof Klimo eine Arbeit über die Geschichte der Kirchensprengel.

Die Grundlage der Bibliothek bildeten dreitausend zum grössten Teil theologische, liturgische, juristische und historische Werke von Zsigmond Berényi (Pécser Bischof von 1736 bis 1748) und tausend aus den selben Bereichen stammende Bände des Domkapitels, die von Bischof Klimo aufgekauft wurden. Bei der Erweiterung des bischöflichen Palasts wurde von ihm ein neuer Gebäudeflügel gebaut, um dort die Bibliothek unterzubringen. Diese wurde im Jahre 1774 öffentlich gemacht. Dank der sorgfältigen und planmässigen Auswahl der Bücher waren in der Sammlung alle grundlegenden, bis zum XVIII. Jahrhundert entstandenen Werke der verschiedenen Wissenschafts- und Kunstrichtungen zu finden. Neben Schriften aus der katholischen Theologie finden sich in der Sammlung auch Arbeiten aus der protestantischen Theologie, der Geschichte und ihren Hilfswissenschaften, der Rechtswissenschaft, der Naturwissenschaften, der Heilwissenschaft, der Mathematik, der Linguistik sowie der Literaturgeschichte. Die Bücher wurden von Klimos Freunden und Gesandten, mit denen er in regem Kontakt stand, in Österreich und Italien gekauft. Viele dieser wertvollen Werke stammen aus dem Bestand des im Jahre 1773 aufgelösten Jesuitenordens.

Die Klimo-Bibliothek in der Pécser Universitätsbibliothek - Foto: György Mánfai


Die Klimo-Sammlung umfasst 15 000 Bände. Nach dem Tode Klimos wurde Pál László Eszterházy zum neuen Bischof ernannt. Er bereicherte die Sammlung um weitere zeitgenössische, ungarische und französische Werke.

Eszterházys Nachkommen vernachlässigten die Bibliothek, sie kauften keine neuen Bücher mehr auf und entliessen die Bibliothekare. Auch die Öffentlichkeit hatte keinen Zugang zur Bibliothek mehr. Im Jahre 1828 wurde Ignac Szepesy, grosszügiger Förderer der Wissenschaften, Bischof. Er gründete das bischöfliche juristischphilosophische Lyzeum und liess von dem Architekten Joseph Piacsek ein neues Bibliotheksgebäude in klassizistischem Stil für die Schüler und Professoren bauen. Im Jahre 1832 wurde die Klimo-Sammlung in die Räume gebracht, in denen sie sich auch jetzt noch befindet. Die Bände wurden nach den Farben der Einbände geordnet. Die viertausend, aus dem Reformzeitalter stammenden Bände von Szepesy wurden in dem mittleren der drei Räume untergebracht. Die Schriftstücke wurden in insgesamt sechs Bänden neu katalogisiert (drei wurden nach Thema, und drei nach dem Autor geordnet).


Die Klimo-Bibliothek in der Pécser Universitätsbibliothek - Foto: György Mánfai


Die Reisebeschreibungen aus dem Reformzeitalter zeugen davon, dass viele Besucher der Stadt neben den zahlreichen Denkmälern auch die Bibliothek besichtigt haben. Nachfolger von Szepesy wurde Scitovszky János (Bischof von 1838 bis 1848). Unter ihm wurde die Bibliothek um Statuen von grossen Persönlichkeiten aus dem Altertum und der ungarischen Wissenschaft und künstlerischen Arbeiten von Mihály Bartalits bereichert. Die Nachfolger von Scitovszky widmeten der Bibliothek wenig Aufmerksamkeit. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde der Bestand der Sammlung nur um freiwillige Spenden und der Bibliothek hinterlassene Werke erweitert; Reisebeschreibungen, naturwissenschaftliche und wirtschaftliche Fachbücher und zeitgenössische belletristische Literatur. Wie das Gästebuch aus dem Jahre 1835 beweist, hatte die Öffentlichkeit zu dieser Zeit Zugang zur musealen Sammlung der Klimo Bibliothek.

 

Die Klimo-Bibliothek in der Pécser Universitätsbibliothek - Foto: György Mánfai


Im Jahre 1907 übertrug der damalige Bischof Gyula Zichy den bedeutenden Archäologen, Otto Szőnyi die Aufsicht über die Bibliothek, sowie die Betreuung der domkapitelischen Sammlung. Unter der Leitung Szőnyis wurden neue Schriftstücke aufgekauft und ein Bändekatalog verfasst. Die Katalogisierung der Werke, die von Hand erfolgte, musste während der Zeit der serbischen Besetzung eingestellt werden.

 

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Die Pozsonyer Elisabeth-Universität musste im Jahre 1923 wegen des Trianoner Friedensvertrags nach Pécs umgesiedelt werden. Ihre 65 000 Bände umfassende Bibliothek musste in Pozsony hinterlassen werden. Bischof Gyula Zichy stellte daraufhin der Elisabeth-Universität das Gebäude der bischöflichen Bibliothek mit ihren 35 000 Bänden zur Verfügung.

Der heutige Bestand der Bibliothek umfasst 8 Kodices, 25 Drucke aus dem XV. Jahrhundert, 250 Antiqua aus dem XVI. Jahrhundert, und mehr als 200 alte ungarische Drucke. Zur bischöflichen Sammlung gehören ausserdem ein Globus und eine Sternenkarte, die aus Amsterdam stammen.

Die Klimo-Bibliothek in der Pécser Universitätsbibliothek - Foto: György Mánfai


Die alphabetischen und standortbezogenen Titelblatt-Kataloge wurden im Jahre 1960 verfasst. Heute kann man die Kataloge im Computer finden. (www.lib.pte.hu) Die Bücher können nur im Forschungsraum benutzt werden. Auf Grund ihres Alters und Wertes ist es nicht erlaubt, Kopien der Bücher zu machen, aber die Bibliothek hat ein Ziel, die wertvolle Bücher der Klimo-Samlung in naher Zukunft zu digitalisieren.

Die Klimo-Bibliothek in der Pécser Universitätsbibliothek
(Pécs, Szepesy Str. 3.)